Arbeitstitel zum zweiten Buch

Nicht abgebogen

Von Kasachstan nach China und weiter in ein unterschätztes Reiseland

Das erste Buch endet kurz vor China rechts weg. Dieses Buch beginnt damit, dass ich nicht abgebogen bin.

Nach der Rallye nach Tadschikistan blieb eine Richtung offen. Der Weg nach Osten war noch nicht zu Ende. Von Kasachstan aus ging es weiter nach Scharkent, an die chinesische Grenze, dorthin, wo Zentralasien nicht einfach aufhört, sondern sich plötzlich eine neue Tür öffnet.

Der Anfang war kurz und trotzdem groß genug für ein ganzes Buchgefühl. Ein paar Tage in einer Grenzstadt. Straßen, Wartezeit, Fragen, falsche Annahmen und der Versuch, zu Fuß nach China hineinzukommen. Am Ende wurde aus zwei Kilometern ein kleiner Grenzmarathon. Nicht weit auf der Karte, aber groß im Kopf.

Wir landeten am Nur Joly Border Crossing, praktisch ein paar Kilometer zu weit südlich und damit an einem Übergang, der eher nach Lastwagen, Abfertigung und Transit aussah als nach dem einfachen Eingang in die chinesische Stadt Horgos. Auf der chinesischen Seite mussten wir wieder zurück in Richtung der eigentlichen Stadt. Genau daraus entsteht die erste Szene: China beginnt nicht mit einer großen Sehenswürdigkeit, sondern mit Grenzabläufe, Bus, Warten, Laufen und diesem merkwürdigen Gefühl, endlich wirklich drüben zu sein.

Von dort aus geht es weiter in ein Land, das ich immer mehr als eines der unterschätztesten Reiseländer der Welt erlebt habe. China ist nicht nur groß, schnell und modern. China ist auch ruhig, weitläufig, kulturreich und voller Orte, die man erst begreift, wenn man selbst dort steht. Peking mit seinen Parks, Tempeln, Gassen und breiten Alleen. Hainan mit Teebergen, Regenwald und Wärme. Städte, Märkte, Züge, Hotels, Begegnungen, Essen, Missverständnisse und diese ständige Mischung aus Fremdheit und Staunen.

Inspiriert durch die ersten paar Tage im Osten Chinas folgten mehrere Reisen in unterschiedliche Regionen Chinas. Beim Aufenthalt im Frühjahr 2026 entstand dann aus drei Wochen Urlaub mit meiner Partnerin ein Buch über genau diese Reise: über Städte, Wege, Essen, Tee, Hotels, kleine Missverständnisse, große Eindrücke und die Frage, warum China als Reiseland so viel mehr zu bieten hat, als viele erwarten.

Ob drei Wochen Urlaub mit der Partnerin wirklich genug Stoff für ein ganzes Buch sind, muss am Ende der Leser entscheiden. Ich sage nur so viel: In China kann selbst der Weg zum Frühstück mehr Handlung haben als anderswo ein ganzer Urlaubstag.

Worum es geht Ein zweites Buch über China als Reiseland, über die neue Seidenstraße, über Grenzen, Städte, Alltag, Tee, mehrere Aufenthalte und schließlich drei Wochen Reise mit der Partnerin.

Nicht abgebogen heißt: diesmal nicht kurz vor China nach rechts weg, sondern hinein in das Land, das damals nur knapp hinter der Grenze lag.

Josef Sibein · hello@sibein.ch